Die heutige Bedeutung von Achtsamkeit

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Ablenkungen lauern überall. Straßenlärm dringt durch das Fenster, irgendwo knallt eine Tür oder ein Telefon klingelt. Wie kann man sich in der heutigen Welt voller moderner Geräte und gefüllten Terminkalendern konzentrieren? Geräuschunterdrückende Kopfhörer, digitale Tracker und Produktivitätsgurus, die behaupten, man könnte mit Tricks die optimale geistige Leistung erreichen? Ob die so wirklich die Lösung sind? Ein weiteres Problem: auch die Ablenkungen sind raffinierter geworden. Wie kämpft man heutzutage dagegen an?

Gibt es Multitasking wirklich?

Wir erzählen uns oft, dass wir die ganze Welt um uns wahrnehmen können. Allerdings wird die von uns wahrgenommene Welt, davon bestimmt, auf was wir unsere Aufmerksamkeit richten. In anderen Worten, wir können nicht die GANZE Welt gleichzeitig wahrnehmen.

Sie denken bestimmt Sie könnten diesen Artikel lesen, während Sie mit Ihrem Freund schreiben, ihre Lieblingsserie im Hintergrund läuft oder nebenher Sie kochen. Aber das funktioniert nicht. So sind wir Menschen leider nicht veranlagt.

Der bereits bekannte Begriff „Multitasking” stammt aus der Computerwelt und wurde in den 1960er Jahren für Maschinen geprägt, die zwei oder mehr Befehle simultan verarbeiten (Wikibrief, 2021). Aber selbst die meisten Computer können das nicht. Angenommen, es laufen drei oder vier Programme, laufen diese nicht wirklich gleichzeitig, sondern wechseln sich eher schnell ab.

Das Gleiche gilt auch für unser Gehirn, die Ziele unserer Konzentration sind wie verschiedene Programme, die wir nicht gleichzeitig ausführen, sondern hin und her wechseln, nur mit dem einzigen Unterschied, dass wir nicht so gut wie Computer sind.

Unser Geist braucht eine Weile um etwas zu beenden und währenddessen können wir uns nicht komplett auf etwas anderes konzentrieren. 

Es ist also wichtig, ein Programm so lang wie möglich laufen zu lassen. Wer sich auf etwas konzentrieren will, muss seine Aufmerksamkeit im Gehirn bündeln und sie wie einen Scheinwerfer auf die betreffende Sache lenken. Damit nur bestimmte Sinnesreize und Gedanken im Gehirn verarbeitet werden, müssen die anderen möglichst ausgeblendet werden.

Entwicklungen in der neuen Arbeitswelt—Trigger für Ablenkungen

Natürlich war die IBM eine der ersten Firmen die Emails nutzten. Anstatt Zeit mit Telefongesprächen und Faxen zu verschwenden, konnten IBM Mitarbeiter damals einfach eine Nachricht senden, die sofort empfangen wurde (ebd.). 

Es war ein Wunder! Sie haben nicht nur das Faxgerät durch Emails ersetzt, stattdessen war es eher so, als würde man plötzlich tausende von Faxen pro Woche verschicken. Das führte zu einer Art Revolution in der Zusammenarbeit. Zu schnell hin und her geschickten ungeplanten Nachrichten. Auch das berühmte Zeitmanagement- und Analysetool, Rescue Time,berichtete, dass der Durchschnitts-Nutzer alle 6 Minuten seine E-Mails oder Instant Messenger checkt, mehr als ein Drittel tut das alle 3 Minuten der oder weniger…(Blog.rescuetime, 2019)


Die größte Ablenkung

Einigen Artikeln zufolge, ist das wahre Problem unsere grundlegend beschädigte Aufmerksamkeitsspanne. Menschen sollen jetzt eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne als Goldfische haben (Microsoft, 2013). Sucht man aber die Quelle dieser Behauptung, wird es schwer eine Bestätigung durch die Forschung zu finden. 

Forschende betrachten nämlich das Arbeitsgedächtnis als einen Messwert für die Aufmerksamkeit und dieser ist seit den Neunzigern stabil, lange vor Smartphones (wikibrief, 2021). Tatsächlich fanden Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen kaum Beweise dafür, dass unsere Aufmerksamkeitsfähigkeit sich seit dem späten 19. Jahrhundert überhaupt veränderte (ebd.). Unser Geist wurde also nicht durch das Telefon oder den Fernseher geschwächt. Selbst wenn sie Ablenkungen sind, sind es nicht die größten. Es ist unser Geist und das können nicht einmal geräuschunterdrückende Kopfhörer verhindern. Selbst wenn höchste Ruhe herrscht, ist man die Hälfte der Zeit sein eigener Störfaktor. Wir wollen also aus dem Moment herausgezogen werden. Der größte Unterschied heute ist, dass es nie einfacher war.



Achtsamkeit in Unternehmen

Achtsamkeit – genauer gesagt, sich seiner Umgebung vorurteilsfrei bewusst zu sein – hat vielfältige Vorteile für die heutigen Unternehmen. Nicht nur verhelfen uns einfache Achtsamkeitsübungen dabei psychische Erkrankungen vorzubeugen, sie machen es uns leichter unsere Gefühle zu verstehen und zu verarbeiten (Haufe, 2022). Dies kann sich auf etliche Arten und Weisen positiv auf Unternehmen auswirken, z.B durch ein positives Betriebsklima oder durch eine insgesamt bessere Stressbekämpfung(ebd.). Hier geht es vor Allem darum, dass Mitarbeitende lernen, sich ihrer persönlichen Grenzen und Kapazitäten klar zu werden.

Fazit

Die richtige Diagnose für das momentane Problem ist nicht der Verlust unserer Konzentrationsfähigkeit, sondern, dass wir aus der Übung sind. Aus der Übung den Drang zu spüren, etwas anderes zu tun und ihm zu widerstehen. Wir müssen jedoch still sitzen. Sich auf etwas einfaches wie den Atem zu konzentrieren und sanft dazu zurückzukehren, wenn der Geist abschweift, macht einem Gedanken und Gefühle bewusster, ohne dass sie einen überwältigen und hilft zu entspannen. Meditation ist wie ein Boot Camp für unsere Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Um nun auf die erste Frage zurückzugreifen, wie man gegen heutige Ablenkungen ankämpft, ist das Erlernen der Achtsamkeit definitiv empfehlenswert, denn verspüren Sie den Drang sich abzulenken haben sie dadurch stärkere Muskeln um sich zurückzuhalten. 



Literaturverzeichnis:

Stefan Spiegelberg, (2016, 15. Dezember). Achtsamkeit-der große Trend. zhaw https://blog.zhaw.ch/iap/2016/12/15/achtsamkeit-der-grosse-trend/

Ralf Senftleben, (2020, 21.April). Achtsamkeit: alles, was du darüber wissen musst https://zeitzuleben.de/achtsamkeit-alles/

Psychoparty, (2018, 27. März). Konzentrationsprobleme- Warum wir es der Konzentration gerade so schwer machen https://www.psychophilie.com/blog/2018/3/27/konzentrationsprobleme

Wikibrief, (2021,5. Dezember). Computer-Multitasking https://de.wikibrief.org/wiki/Computer_multitasking



Jory MacKay, (2018, 11.Juli). Communication Overload: Our research shows most workers can’t go 6 minutes without checking email or IM https://blog.rescuetime.com/communication-multitasking-switches/

Microsoft, (2015). Attention spans Consumer insights Microsoft Canada https://sherpapg.com/wp-content/uploads/2017/12/MAS.pdf

Haufe, (2022, 5.Oktober). Achtsamkeit: Geistige und körperliche Wirkung belegt https://www.haufe.de/amp/arbeitsschutz/gesundheit-umwelt/achtsamkeit-wirkung-wissenschaftlich-belegt_94_280626.html

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