Vier Versprechen für ein glückliches Leben

Im Alltag sehen wir uns einer ganzen Reihe Herausforderungen gegenübergestellt: Wir wollen nicht nur gute Leistungen bringen und erfolgreich sein, sondern ganz nebenbei auch noch unsere FreundInnen glücklich, Mutti stolz und das Konto voll machen. Oft haben wir ganz konkrete Vorstellungen davon, wie wir uns zu verhalten haben, um “richtig” zu sein. Die Angst, nicht “gut” genug zu sein, treibt uns oft zu harscher Selbstkritik. Scham und Schuld keimen auf, wenn wir prokrastinieren, die falschen Worte finden oder ein Ziel nicht erreichen. Warum eigentlich? Wer hat festgelegt, was es zu erwarten und zu leisten gilt? Und weshalb gehen wir mit uns selbst oft härter ins Gericht, als mit unseren ärgsten FeindInnen?

Zahlreiche religiöse, philosophische und spirituelle Traditionen haben sich mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt, um eines der grundlegenden Probleme menschlicher Existenz zu lösen: Das dem Leben inhärente Leiden. Die Fähigkeit kognitiv zu denken hat uns Menschen weit gebracht. Leider ist diese Quelle von Kreativität und Schöpfergeist jedoch auch ursächlich für negative Gedanken und somit der Grund von Leid

 

Miguel Ruiz und seine vier Versprechen

Der mexikanische Autor Miguel Ruiz reihte sich Ende der 90er Jahre in die zahlreichen Versuche ein, nun doch endlich die Wurzel menschlichen Leidens zu finden und das Geheimrezept für ein glückliches Leben zu enthüllen. Mit seinem Bestseller “Die vier Versprechen” veröffentlichte er einen populären Ratgeber zum Thema Persönlichkeitsentwicklung, welcher laut Klappentext einen “Weg zur Freiheit und Würde” verspricht. 

Laut Ruiz finden uns in einer Art “Traum” wieder. Statt die Wirklichkeit so wahrzunehmen, wie sie tatsächlich ist, würden wir die Welt durch eine Brille sehen, die uns durch Eltern, Schulen, staatlichen Institutionen und sozialen Konventionen vorgegeben werde. Schon früh lernten wir so, was als “richtig” oder “falsch” gelte. Um akzeptiert zu werden, versuchten wir uns anzupassen — oft auf Kosten unserer eigenen Persönlichkeit. Der Autor nennt diesen Vorgang auch die “Domestizierung des Menschen“. Laut Ruiz werde der Traum so zum Alptraum: Grundannahmen, die wir über die Welt treffen würden, zwängen uns voller Angst, Selbstzweifel und Enttäuschung zu leben. Sein Vorschlag: Alte Glaubenssätze durch vier “Versprechen” zu ersetzen und so den Weg in ein erfülltes Leben zu finden. Klingt gut? Im Folgenden lernst du die vier Versprechen kennen.

 

Erstes Versprechen: “Wähle deine Worte mit Bedacht”

„One word is like a spell, and humans use the word like black magicians, thoughtlessly putting spells on each other.”

Ruiz hebt zunächst die Macht der Sprache hervor: Ein einziges Wort habe die Kraft, Dinge zu kreieren und zu manifestieren. Es sei sogar so mächtig, dass es in der Lage sei, andere Menschen zu “verfluchen” und zu “verzaubern”. Vielleicht hast du selber schon einmal die Erfahrung gemacht, dass es unsere Selbstwahrnehmung oft beeinflusst, wenn andere Menschen uns bewerten oder kommentieren. Boshafte, oder einfach nur unbedachte Äußerungen können eine sensible oder unsichere Person nachhaltig verletzen. Ruiz nennt dies die Kreation von “endlose(m) Drama“.

Viele Menschen sind sich den Auswirkungen ihrer Worte jedoch nicht bewusst. Sie verursachen so viel Unglück und Leid in den Leben anderer Menschen. Lästern und Gossip sieht Ruiz dabei als verheerendsten Missbrauch des Wortes an. Der Autor ist der Überzeugung, dass die negativen Auffassungen, die wir über andere Menschen pflegen, unseren eigenen “Traum” entspringen würden und somit nicht die Wirklichkeit abbilden. Unsere Meinungen seien weniger abhängig von der Realität, als von unseren Grundannahmen, Glaubenssätzen und unserem eigenen Ego. Wenn wir über andere Menschen reden, würden wir unser eigenes “emotionales Gift” wie einen Computervirus an andere Menschen weitergeben und so verhindern, dass diese klar sehen könnten. Wer hingegen makellos mit dem Wort umgehe, schüre Freude und Liebe, statt Angst und Hass. 

 

Zweites Versprechen: “Nimm nichts persönlich”

„You eat all their emotional garbage, and now it becomes your garbage.“

Da viele Menschen das erste Versprechen nicht praktizieren würden, erfahren wir im Alltag oft eine ganze Reihe an Be- oder Abwertungen. Egal ob Kompliment oder Beleidigung: Kommentare anderer Menschen beschäftigen uns meist mehr, als uns lieb ist. Du kennst bestimmt das tolle Gefühl, ein Kompliment zu bekommen oder die Enttäuschung einer Ablehnung. Das Feedback anderer Menschen kann uns entweder selbstbewusst oder unsicher aber auch machen. Ruiz ist jedoch der Ansicht, dass Meinungen dem individuellen Traum der jeweiligen Person entspringen würden und daher nichts mit der Realität zu tun haben müssten. Wenn wir also die Meinung einer anderen Person verinnerlichten, würden wir uns auf ihren “Traum” einlassen – möglicherweise sogar auf ihren “Alptraum”. Anstatt uns selbst allzu wichtig und alles persönlich zu nehmen, sollten wir also Abstand zu den Bewertungen anderer Menschen nehmen. Ruiz stellt fest, dass wir niemals für die Worte oder Taten anderer Personen verantwortlich sind: Wir können uns also von der Meinung anderer Menschen distanzieren und uns so vor unnötigem Leid schützen.

 

Drittes Versprechen: “Erwarte nichts / Ziehe keine voreiligen Schlüsse”

„The problem with making assumptions is that we believe they are the truth.“

Wer Annahmen und Erwartungen pflege, würde förmlich darum bitten, enttäuscht zu werden. Unsere Erwartungen seien im Endeffekt Ideen, die dem eigenen Traum entspringen würden. Annahmen und Erwartungen hätten daher ebenfalls nicht notwendigerweise etwas mit der Realität zu tun. Es sei vielmehr wahrscheinlich, dass sie nicht erfüllt werden würden. In diesem Fall ärgern wir uns: Entweder über uns selber, die Welt oder einen Menschen, den wir eigentlich lieben. Negative Gefühle werden also geschürt und Beziehungen belastet. Ruiz rät dazu, lieber nachzufragen, als Erwartungen zu hegen. Klare Kommunikation sei zielführender, als blinde Annahmen zu treffen. So könnten Enttäuschungen vermieden werden.

 

Viertes Versprechen: “Gib immer dein Bestes.”

„I make everything a ritual, and I always do my best.“

Wir verändern uns genauso, wie die Welt um uns herum. Unsere Tagesform kann daher unterschiedlich sein: Mal sind wir dynamisch und leistungsfähig, einen anderen Tag erschöpft und unproduktiv. Ruiz rät den Lesenden dazu, unabhängig davon stets das Bestmögliche zu geben. Das bedeutet auch, dass die Qualität unserer Arbeit durchaus verschieden und tagesformabhängig sein dürfe. Innerhalb unserer Möglichkeiten sollten wir jedoch stets das Beste versuchen. Wenn wir stets das Beste geben würden, dann würden wir vollkommen gegenwärtig leben: Wir ließen uns auf die Gegebenheiten ein und lösten uns sowohl von der Vergangenheit, als auch der Zukunft. Gewissermaßen kommen wir so in einen Zustand der Achtsamkeit: Wir begegnen uns selbst wertungsneutral und aufmerksam. Wer stets sein Bestes gäbe, könne jeden Moment zum Ritual werden lassen. 

 

Endlich glücklich durch die vier Versprechen?

„When you honor these four agreements together, there is no way that you will live in hell.“

Wie die meisten RatgeberautorInnen nimmt auch Ruiz für sich in Anspruch, das absolute Patentrezept zum Glücklichsein entschlüsselt zu haben. Er weist den Lesenden dabei eine hohe Eigenverantwortung zu: Wer sich nicht an die vier Versprechen hält, scheint selbst Schuld an Leid und Unglück zu sein. Ob das wirklich immer so einfach ist, sei einmal dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass die Fähigkeit, Verantwortung für das eigene Glück zu übernehmen, auch einen Zustand voll Selbstwirksamkeit und Empowerment einleiten kann. Denn oft können wir die äußeren Umstände nicht einfach ändern — unsere Einstellung hingegen schon. So gesehen können die vier Versprechen eine wunderbare Inspirationsquelle für ein glücklicheres Leben darstellen. 

 

 

Geschrieben von Caroline

 

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