Natur und Achtsamkeit

Viele Menschen, die anfangen Achtsamkeit zu praktizieren, finden nach einiger Zeit Orte oder Aktivitäten, die ihnen helfen, gut im Moment zu sein. Für einige bedeutet das, still in ihrer Wohnung zu meditieren, andere wiederum finden ihre innere Mitte, wenn sie sich körperlich bewegen. Jedoch ist es so, dass die Natur für viele ein idealer Ort ist, um Achtsamkeit in ihr Leben zu integrieren. In diesem Blog Post möchten wir dir daher einige Tipps geben, damit du einen achtsamen Zugang zur Natur und damit auch zu dir selbst findest.

Die Natur sorgt für ein tieferes Achtsamkeits-Erlebnis

Generell lässt sich sagen, dass Achtsamkeit in der Natur für viele leichter ist, als in einem anderen Kontext. Jeder, der eine längere Zeit in der Natur verbracht hat, weiß, dass Naturerfahrungen besondere Eigenschaften haben. Die Natur bringt uns tiefer in das Achtsamkeits-Erleben hinein, da die Natur nicht einfach eine äußerliche Kulisse ist, sondern Teil der Achtsamkeits-Begegnung ist. 

Die Autoren Michael Huppertz und Verena Schatanek schreiben dazu: „In einer naturbezogenen Achtsamkeitspraxis ist Natur nicht einfach Kulisse, sondern Teil achtsamer Begegnung. […] Wir stellen uns nicht einen Berg vor, sondern wir schauen uns einen Berg an, wenn er da ist. “Wir schauen, was der Anblick eines fließenden Gewässers, eines Baumes, eines Käfers oder eines Sonnenuntergangs in uns auslöst.“

Positive Auswirkungen von Achtsamkeit in der Natur

Dabei stützen viele wissenschaftliche Untersuchungen die positiven Auswirkungen von Achtsamkeit in der Natur. Die Umweltpsychologie weiß schon seit langem, dass Aufenthalte in der Natur gewisse Erholungseffekte mit sich bringen, wie z.B. die Reduktion von psychischem Stress (Ensinger 2016). Dies erklären sich die Forscher damit, dass die Folgen von Stress, wie negative Emotionen und eine erhöhte vegetative Erregung, durch den Kontakt mit natürlichen Komponenten, regeneriert werden (Ensinger 2016). Andere Erklärungsmodelle sagen, dass unsere Aufmerksamkeit in der Natur nicht so angestrengt, sondern viel natürlicher ist und so ein Regenerationseffekt eintritt (Ensinger 2016). Es sollten jedoch nach Ensinger (2016) folgende vier Kriterien erfüllt sein, damit diese positiven Effekte eintreten.

  1. Being Away: Die Umwelt muss einen psychischen Abstand zu unserem Alltag ermöglichen, vor allen Dingen zu den täglichen Routinen und Aufgaben.
  2. Fascination: Die Umwelt ermöglicht uns eine anstrengungslose, von Interesse geleitete Aufmerksamkeit.
  3. Coherence: Die Umwelt wird als geordnet und kohärent wahrgenommen.
  4. Compatibility: Die Umwelt stimmt mit den eigenen Vorhaben und Zielen überein.

Weitere positive Effekte auf unsere Gesundheit, die wissenschaftlich erforscht sind, beziehen sich auf den Blutdruck, Pulsrate, Cortisolspiegel und die sympathische (reguliert die Organfunktionen in Stresssituationen) und parasympathische (reguliert die Organfunktionen in Erholungs- und Ruhephasen) Aktivität. Es konnte gezeigt werden, wie Ensinger (2016) darstellt, dass Waldbesuche für eine Senkung des Blutdrucks und der Pulsrate sorgen. Außerdem wurde bewiesen, dass der Cortisolspiegel reduziert und die parasympathische Aktivität gestärkt wird (Ensinger 2016).

Wie du eine Beziehung zur Natur aufbaust und so tiefere Achtsamkeits-Erfahrungen machst 

Nachdem du nun weißt, wieso Achtsamkeit in der Natur einen besonders guten Einfluss auf dich hat, fragst du dich natürlich, wie du es für dich nutzen kannst. 

Es ist dabei jedoch wichtig zu erwähnen, dass es keine A-Z Anleitung dafür gibt. Letztendlich muss jeder für sich selbst einen eigenen, individuellen Weg zur Natur finden. Jede Person hat unterschiedliche Lieblingsorte in der Natur, die für ihn am angenehmsten sind. Einige Personen fühlen sich mehr zu Wäldern hingezogen, andere eher zu Flüssen und Seen. Dies ist natürlich subjektiv, da wir nicht alle dieselben Präferenzen haben.

Dies bedeutet, dass du für dich herausfinden musst, welche Orte in der Natur du am anziehendsten findest. Natürlich wäre es ideal, wenn der Ort die oben genannten vier Kriterien erfüllt.

Du kannst dann, immer mal wieder, Ausflüge in diese Orte machen. Es ist dir dabei überlassen, ob du dies alleine für dich machst, oder mit anderen Personen. 

Wenn du dich an diesen Lieblingsorten aufhältst, kannst du dann versuchen herauszufinden, wie du am besten in die Achtsamkeit kommst. Vielleicht hilft es dir einfach, bewusst deine Schritte auf dem Waldboden zu spüren. Oder bewusst auf die Geräusche, z.B. Vogelzwitschern, in der Umgebung zu achten. 

Wichtig ist, dass es Ansätze und Übungen sind, die zu dir passen und zu denen du Resonanz spürst. 

Du wirst dann nach einiger Zeit merken, welche Ansätze und Methoden für dich am besten funktionieren. 

Wir hoffen, dass dir dieser Blogartikel eine Inspiration und Hilfe war, um deine Kraftorte in der Natur zu finden und deine Achtsamkeit dauerhaft zu stärken.

 

Quellen:

Ensiger, K. (2016). Achtsamkeit, Naturerleben und die Erfahrung von Erholung, in: Umweltpsychologie, 20.Jg., Heft 2, S.95-111.

https://www.achtsamkeitindernatur.de/

Huppertz, M., & Schatanek, V. (2021) Achtsamkeit in der Natur. 101 naturbezogene Achtsamkeitsübungen und theoretische Grundlagen. ISBN: 978-3-7495-0195-3








 

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