Achtsamer Umgang miteinander: Interkulturelle Begegnungen

Die Arbeitswelt ist vielfältig und lebt vom Austausch und der Kommunikation im und unter Unternehmen. Längst sind Unternehmen weltweit vernetzt und knüpfen internationale Kontakte. Dass es dabei mitunter zu Missverständnissen oder Komplikationen in der Kommunikation kommt, ist nicht verwunderlich.

Jeder Mensch wächst in einer bestimmten kulturellen Umgebung auf, die geprägt ist durch Werte und Normen, die im Hinblick auf die eigene Wahrnehmung als richtig und „allgemeingültig“ angesehen werden. Wenn dann jedoch Menschen aus verschiedenen Kulturen miteinander in Berührung kommen, so können Probleme entstehen. Ein achtsamer Umgang miteinander ist dann gefragt. 

Interkulturalität

Der Begriff Interkulturalität meint die Begegnung unterschiedlicher Kulturen, die sich gegenseitig beeinflussen. Dabei geht es darum, sowohl das „Fremde“/ das „Andere“, als auch das „Eigene“/ die eigene Kultur bewusst wahrzunehmen und dadurch eine Möglichkeit des Austausches zu schaffen [1]. Was alles unter dem Begriff Kultur zu verstehen ist, darüber lässt sich streiten, deshalb soll hier nur kurz das sogenannte „Eisberg-Modell“ angesprochen werden, welches den Begriff Kultur grob in zwei Segmente untergliedert; nämlich in sichtbare und unsichtbare – also die, die sich unter der Wasseroberfläche befinden – Eigenschaften. Zu den sichtbaren gehören so z.B. Sprache, Verhalten oder Aussehen; zu den unsichtbaren, Dinge wie Erwartungen, Einstellungen, Werte, Normen, Religion oder das Weltbild [2].

Konfliktsituationen entstehen dann dadurch, dass im Grunde genommen zwei verschiedene „Welten“ aufeinanderprallen. Im Unternehmenskontext mag dies entweder intern geschehen, also unter dem Personal, oder extern bei der Interaktion mit GeschäftspartnerInnen, die im Ausland sitzen. 

Kulturelle Vielfalt und Diversität im Unternehmen

Der Begriff Diversität hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen – und das ist gut so, denn keineswegs leben wir in einer homogenen Gesellschaft. Diversität umfasst dabei eine Bandbreite von Themen bzw. Merkmalen die von Gender und Sexualität, Alter/ Generation bis hin zu Ethnizität oder Religion reichen. Während gewissen Merkmalen von der Gesellschaft positive Eigenschaften zugewiesen werden, so ist für andere das genaue Gegenteil der Fall; es kommt zu Stereotypen, Vorurteilen, Wertungen und Ablehnungen [3]. Genau diese gilt es kritisch zu hinterfragen und zu durchbrechen, denn nur dann kann ein respektvoller Umgang miteinander und untereinander erreicht werden. Deshalb möchte ich dich einmal dazu einladen, dir selbst ein Bild über deine aktuellen Denkmuster zu verschaffen. Nimm dir dafür einfach kurz Zeit, geh von deinem eigenen Leben aus und frage dich: Gibt es MitarbeiterInnen an meinem Arbeitsplatz, denen ich z.B. aufgrund von sichtbaren kulturellen Merkmalen, die sich von meinen unterscheiden, Vorurteile oder Ablehnung entgegenbringe? Und dann: Wie gehe ich damit um?  

Es ist nachgewiesen, dass kulturelle Vielfalt im Unternehmen keineswegs ein Manko darstellt, sondern vielmehr zu Gewinn führen kann, wenn denn die Vielfalt anerkannt und die Heterogenität als ein positiver Wert verstanden wird [4]. Denn durch sie kann nicht nur die Kreativität im Team gestärkt werden, sondern es können z.B. auch neue Zielgruppen anvisiert werden, die einem vorher aufgrund von kultureller Fremdheit verschlossen waren [5].

Kulturelle Vielfalt ist also etwas Positives. Dennoch kommt es unweigerlich irgendwann zu Situationen, in denen mit GesprächpartnerInnen (intern sowie extern), die einer anderen Kultur angehören, die Kommunikation erschwert wird. Sei es durch Missverständnisse, stereotype Vorstellungen oder einem ethnozentrischen Denken [6]. Gefragt ist dann die Bereitschaft, achtsam miteinander umzugehen; sich seines eigenen Blickwinkels wahr zu werden, ebenso wie dem des Gegenübers. Was genau hat zu diesem Missverständnis geführt? Dann aber auch: Was können wir gemeinsam tun, um dieses zu beseitigen? Ein Austausch auf Augenhöhe sollte stattfinden, um damit die Verstrickung in weitere Vorurteile und negative Sichtweisen zu verhindern. 

Interkulturelle Kommunikation

Greifen wir zum Schluss dazu doch einmal ein konkretes Beispiel auf. 

Ein Morgenmeeting mit einem ausländischen Unternehmen steht an. Die Konferenz verläuft gut, doch am Ende des Gesprächs macht einer der beiden Seiten dem anderen ein Kompliment, das zu Unverständnis, peinlichem Schweigen oder gar Empörung führt.

Was ist geschehen?

Nun, das geäußerte Kompliment, welches von dem/der einen als positiv und höflich angesehen wird, kommt auf der anderen Seite des Bildschirms nicht so an. 

Warum?

Die kulturellen Wertesysteme sind unterschiedlich; in der einen Kultur sind Komplimente hoch angesehen, in der anderen kann das Ganze bis hin zu einem Gesichtsverlust führen. Japan zählt so bspw. zu den Kulturen, in denen Komplimente nicht so häufig gemacht werden und – im Gegensatz zu Deutschland – auch meist zurückgewiesen werden [7]. 

Sicherlich ließen sich noch weitere Beispiele anführen, doch der Punkt dabei ist folgender: Es ist wichtig, diese Differenz zu erkennen, und mit diesem Wissen dann achtsam miteinander umzugehen.

Achtsamkeit ist bei (interkulturellen) Begegnungen gefragt

Natürlich reicht Achtsamkeit zur Entwicklung einer interkulturellen Kompetenz allein nicht aus, doch sie bildet einen guten Grundstock für eine gelungene Kommunikation, die auf gegenseitiger Respektierung und Wertschätzung fundiert. Selbst- und Fremdreflexion sind von entscheidender Bedeutung, da sie uns dabei helfen, über den eigenen Horizont zu blicken und so in fremde Sichtweisen, Werte und Verhaltensweisen Einblick zu erhalten, ohne direkt zu urteilen.

Geschrieben von Carina

 

Quellen:

[1] Multikulturalität, Interkulturalität, Transkulturalität und Plurikulturalität. Verfügbar unter: https://www.ikud.de/glossar/multikulturalitaet-interkulturalitaet-transkulturalitaet-und-plurikulturalitaet.html [Abruf: 20.12.2021].

[2] Gaidosch, Ulrike/ Mau-Endres, Birgit/ Ufholz, Bernhard/ Waas, Lisa (2002). Interkulturelles Kompetenz- und Konflikttraining für den Beruf (IKK). München: bfz Bildungsforschung. S. 13. Verfügbar unter: https://www.f-bb.de/fileadmin/user_upload/IKK-Grundlagen-Handout.pdf [Abruf: 20.12.2021].

[3] Was ist Diversität? Verfügbar unter: https://genderforschung.kug.ac.at/gleichstellung/diversitaet/was-ist-diversitaet/ [Abruf: 20.12.2021].

[4] Brenner, Verena/ Zoller, Lena (2021). Kulturelle Vielfalt: Herausforderung oder Gewinn? – Chance! Über verantwortungsvollen transkulturellen Dialog. In: Anna Tomfeah & Heidrun Haug (Hrsg.): Glaubwürdige Unternehmenskommunikation. Wiesbaden: Fachmedien. S. 84.

[5] Brenner, Verena/ Zoller, Lena (2021). Kulturelle Vielfalt: Herausforderung oder Gewinn? – Chance! Über verantwortungsvollen transkulturellen Dialog. In: Anna Tomfeah & Heidrun Haug (Hrsg.): Glaubwürdige Unternehmenskommunikation. Wiesbaden: Fachmedien. S. 87.

[6] vgl. Lüsebrink, Hans-Jürgen (2016). Interkulturelle Kommunikation. Springer Verlag. S. 200.

[7] Grein, Marion (2008). Der Sprechakt des Kompliments im interkulturellen Vergleich. In: Dialogue in an between Different Cultures. Münster: iada.online.series. S. 20. Verfügbar unter: https://iada-web.org/download/iada.online.series_volume01.pdf [Abruf: 20.12.2021].

 

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