Networking im Unternehmen – Kontakte pflegen durch aktives Zuhören

Falls du gerade vor dem Einstieg ins Berufsleben stehst oder bereits Erfahrung in dem Bereich gesammelt hast, wurde dir bestimmt schon einmal gesagt, wie wichtig Networking ist. Manche sprechen in diesem Zusammenhang auch von „Vitamin B“. Aber was genau ist damit eigentlich gemeint? Was macht Networking zu so einem wichtigen Thema in der Arbeitswelt und welche Rolle können Achtsamkeit und aktives Zuhören dabei spielen?

Warst du schon einmal in der Situation, dass dir der Kontakt zu einer bestimmten Person einen persönlichen Vorteil gebracht hat? Hast du beispielsweise einen Praktikumsplatz erhalten, weil deine Eltern die Geschäftsführung des Unternehmens kennen? Oder hast du Bekannte, die ein gutes Wort für dich eingelegt haben und dir dadurch zu einer Einladung zum Bewerbungsgespräch verholfen haben? Genau darum geht es beim Networking.

Wie funktioniert Networking?

Grundsätzlich beschreibt Networking (oder auf Deutsch: Netzwerken) jede Handlung, die dem Aufbau oder der Aufrechterhaltung von persönlichen sowie beruflichen Kontakten dient. Meistens fällt der Begriff aber im beruflichen Kontext und gilt als eines der wirksamsten Mittel, um die persönliche Karriere anzustoßen. Tatsächlich werden etwa 40 Prozent der Jobs durch persönliche Beziehungen vergeben. In diesem Fall spricht man dann von zielorientiertem Networking [1]. Dabei sind zwei Punkte besonders wichtig: 

  1. zur Aufrechterhaltung und Pflege von sozialen Kontakten gehören immer mindestens zwei dazu. Es handelt sich um ein Geben und Nehmen von allen beteiligten Parteien.
  2. Die Effektivität des Networkings hängt nicht nur von der Quantität der Kontakte ab, sondern vor allem auch von der Qualität.

Networking kannst du sowohl online als auch offline betreiben.

Für das Knüpfen neuer Kontakte im Internet bieten sich für den beruflichen Kontext besonders Plattformen wie LinkedIn oder XING an. Hier kannst du dir ein kostenloses Profil erstellen und dich virtuell mit KollegInnen, GeschäftspartnerInnen und potenziellen ArbeitgeberInnen vernetzen.

Wenn du dich lieber offline um deine sozialen Kontakte kümmerst, kannst du das natürlich vor Ort an deinem Arbeitsplatz tun, aber auch auf Meetings und Messen, die extra für diesen Zweck veranstaltet werden. Hier kannst du persönlich auf die Menschen zugehen, mit denen du gerne in Kontakt treten möchtest, dich ihnen vorstellen und dich mit ihnen unterhalten.

Welche Rolle Achtsamkeit und aktives Zuhören beim Networking spielen

Nun fragst du dich vielleicht, inwiefern Achtsamkeit für das Networking im Unternehmen von Bedeutung ist. Nicht selten wird Networking als rein egoistisches Handeln verstanden, welches nur darauf abzielt, Vorteile und Gewinne für die eigene Person zu generieren. Allerdings sollte genau dies nicht der Fall sein. Wie bereits erwähnt, handelt es sich stets um ein Geben und Nehmen. Sinn des Networkings ist nicht der eigene Profit, sondern eine Symbiose zu schaffen und sich gegenseitig zu helfen. Nur wenn du das im Blick behältst, kann das Networking für alle Beteiligten, also auch für dich, besonders erfolgreich sein. [2]

An dieser Stelle kommt Achtsamkeit ins Spiel. Um Beziehungen aufzubauen, die von gegenseitigem Interesse, Hilfsbereitschaft und Vertrauen leben, braucht es einen achtsamen Umgang miteinander.

Wenn du in ein persönliches Gespräch mit jemandem trittst, lenke deine volle Aufmerksamkeit auf dieses Gespräch und höre deinem Gegenüber aktiv zu. Das Konzept des aktiven Zuhörens entwickelte der US-amerikanische Psychologe Carl R. Rogers (1902-1987) als Form der positiven Beeinflussung des Sprechers [3]. Die Basis bildet eine positive und wohlwollende Grundeinstellung, die dem Gegenüber entgegenzubringen ist. Aktiv zuhören heißt aber nicht, dass du stumm daneben stehen sollst, wenn dir jemand etwas erzählt. Ein gutes Gespräch ist ein ständiger Wechsel von verbalen und nonverbalen Botschaften aller Beteiligten. Wenn eine Person mit dir spricht, signalisiere ihr deine Aufmerksamkeit und dein ungeteiltes Interesse, indem du ihr in die Augen schaust und mit Mimik und Gestik auf das Gesagte reagierst. Das kann zum Beispiel ein Lächeln, Nicken oder Stirnrunzeln sein. Damit zeigst du nicht nur Interesse und Aufmerksamkeit, sondern auch Empathie für dein Gegenüber und das, was dir mitgeteilt wird. Auch Nachfragen können angebracht sein. Dadurch bestätigst du, dass du das Gesagte gehört und verstanden hast, aber auch, dass es dich interessiert und du gerne mehr darüber erfahren möchtest. Achte aber darauf, dass du die andere Person damit nicht nervst oder ihr gar ins Wort fällst und sie unterbrichst. 

Das lässt sich auch auf Networking im Internet übertragen. Nonverbale Kanäle wie Mimik und Gestik fallen hier zwar weg, dafür kommen andere hinzu. Um auch im schriftlichen Austausch dein Interesse und deine Aufmerksamkeit zu zeigen, solltest du nicht zu lange mit deinen Antworten warten, dir aber trotzdem die Zeit dafür nehmen, diese mit Sorgfalt zu verfassen. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie du Textnachrichten achtsam verfassen kannst, lies gerne mehr darüber in unserem Blogartikel Krisen- und Konfliktsituationen – achtsames E-Mail schreiben.

Andersherum erwartest du natürlich dasselbe von deinem Gegenüber. Aber was tun, wenn diese achtsame Haltung nicht erwidert wird? Beim Networking kann es immer wieder vorkommen, dass genau dies passiert. Du erzählst einer Person etwas von dir, doch sie scheint dir nicht wirklich zuzuhören, geht nicht auf dich ein und beantwortet nebenbei Nachrichten auf dem Smartphone. Oder du schreibst jemandem über ein soziales Netzwerk und erhältst keine oder sogar eine unfreundliche Nachricht. Das fühlt sich nicht gut an und nimmt dir vielleicht sogar den Mut, auf Leute zuzugehen. Aber auch hier kann Achtsamkeit helfen. [4] Versuche, solch ein Verhalten von anderen Menschen nicht persönlich zu nehmen und auf dich zu beziehen. Betrachte die Situation stattdessen wertfrei und akzeptiere sie für den Moment. Wenn du danach mit neuen Menschen in Kontakt trittst, fokussierst du dich wieder nur auf diese Personen. Lass Vergangenes vergangen sein und projiziere es nicht auf Zukünftiges. So kannst du jedem Menschen offen und aufgeschlossen gegenübertreten.

Wie du Achtsamkeit und aktives Zuhören üben kannst

Rogers hat sieben verbale Techniken formuliert, die dazu dienen sollen, jemandem zu zeigen, dass man das Gesagte aufgenommen, es verstanden und sich damit beschäftigt hat. 

  • Paraphrasieren:

Du kannst Aussagen inhaltlich mit eigenen Worten wiederholen, um zu überprüfen, ob sie richtig verstanden wurden.

 

  • Verbalisieren: 

Wiederhole gegebenenfalls die Aussage auf emotionaler Ebene, um so die Gefühle des Gegenübers zu spiegeln.

 

  • Nachfragen: 

Frage bei undeutlichen Aussagen noch einmal nach, um Missverständnisse zu vermeiden.

 

  • Zusammenfassen: 

Wenn du Aussagen zusammenfasst, bietest du deinem Gegenüber die Möglichkeit, noch etwas zu ergänzen.

 

  • Unklares Aufklären: 

Hake an Stellen nach, an denen dir vielleicht etwas unklar geblieben ist.

 

  • Weiterführen: 

Möglicherweise kannst du Gedanken weiterführen, um zu signalisieren, dass du interessiert bist und mehr erfahren möchtest.

 

  • Abwägen: 

Versuche, die Emotionen deines Gegenübers abzuwägen, um dich besser in ihn oder sie hineinversetzen zu können.

Bevor du nun versuchst, diese Techniken in deinem nächsten Gespräch mit KollegInnen, möglichen ArbeitgeberInnen oder GeschäftspartnerInnen anzuwenden, kannst du sie vorab mit einer dir vertrauten Person üben. Bitte sie, dir beispielsweise von ihrem Wochenende zu erzählen und höre ihr dabei aktiv zu. Versuche aber, die Techniken nicht krampfhaft in das Gespräch einzubauen, sondern so, dass sie für dich und die andere Person natürlich sind. Wenn du möchtest, kannst du sie anschließend um Feedback bitten, um zu überprüfen, wie dein Zuhören auf sie gewirkt hat. Vielleicht werdet ihr dabei merken, dass das Gespräch für euch beide besonders angenehm war. Aktives Zuhören ist nämlich nicht nur im beruflichen Kontext von Bedeutung. Auch im privaten Umfeld spielt es eine sehr wichtige Rolle. Gute Freundschaften und familiäre Beziehungen leben von einem interessierten, aufmerksamen und empathischen Umgang miteinander, der durch das aktive Zuhören gestärkt werden kann. Es lohnt sich also, jedem Menschen und jedem Gespräch mit einer solchen Haltung gegenüberzutreten.

Wir können festhalten, dass durch Achtsamkeit und aktives Zuhören Missverständnisse vermieden, zwischenmenschliche Beziehungen verbessert und Empathie gefördert werden können. Beste Voraussetzungen, um gute und vertraute Netzwerke in deinem Unternehmen aufzubauen und zu pflegen.

 

Geschrieben von Alina

 

Quellen:

[1] ] (2021): Networking für die Karriere und privat. absolventa. https://www.absolventa.de/karriereguide/kommunikation/networking (zuletzt aufgerufen am 12.08.21, 12:10 Uhr)

[2] Janson, S. (2019): 7 Tipps für neue Kontakte, Achtsamkeit und Empathie: Gemeinsam stark!. Berufsbilder. https://berufebilder.de/kontakte-achtsamkeit-empathie-gemeinsam/ (zuletzt aufgerufen am 12.08.21, 13:12 Uhr)

[3] Lehner, C. & Weihe, S. (2019). „Mit den Ohren wackeln?“–ein Klassiker bleibt aktuell: Aktives Zuhören. In: Zwischen Achtsamkeit und Pragmatismus. Springer, Berlin, Heidelberg, S. 75-80.

[4] Bleckmann, M. (2019): Smalltalk ABC: A wie Achtsamkeit. LinkedIn. https://de.linkedin.com/pulse/smalltalk-abc-wie-achtsamkeit-magda-bleckmann (zuletzt aufgerufen am 12.08.21, 13:51 Uhr)

 

 

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