Mit Achtsamkeit die Symptome eines Burnouts lindern

Der Begriff Burnout ist heutzutage längst kein Fremdwort mehr. Allein in Deutschland verzeichnete Statista im Jahr 2019 um die 185.000 Burnout-Betroffene mit insgesamt 4.3 Millionen Krankheitstagen [1]. Dabei unterliegt das Krankheitsbild oft einer gesellschaftlichen Stigmatisierung, wenn den Betroffenen z.B. unterstellt wird, einfach nur faul zu sein oder eine Ausrede zu erfinden, um sich vor der Arbeit zu drücken. Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall: Burnout-Betroffene stecken ihre ganze Energie in ihre Arbeit, stellen ihre eigenen Bedürfnisse hinten an und klinken sich infolgedessen aus dem gesellschaftlichen Leben aus [2].

 

Burnout – Was ist das?

Burnout bezeichnet einen Zustand der Erschöpfung, der aufgrund von Stress und dem fehlenden Fokus auf die eigenen Bedürfnisse auftritt [3]. Der innere Kompass ist stets auf die Arbeit und das Erzielen hoher Leistungen ausgerichtet. Keine Freizeit. Keine Erholung. Wenig Schlaf und ein Berg an Aufgaben, der bevorzugt selbstständig bewältigt werden will [4].

Die Symptome des Burnout-Syndroms zeigen sich dabei in abnehmender Leistungsfähigkeit (Müdigkeit, Selbstzweifel, Schlaf- und Appetitstörungen, etc.), dem Verlust des Einfühlungsvermögens (Unlust, Gleichgültigkeit gegenüber der Arbeit, etc.) und der wie bereits zuvor erwähnten emotionalen Erschöpfung (Reizbarkeit, Lust und Interesselosigkeit, Nervosität, etc.) [5].

Das Risiko, an einem Burnout zu erkranken, setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen, die meist alle zusammen spielen; so sind es etwa Belastungen im Arbeitsumfeld oder im privaten und sozialen Bereich, die zu andauerndem Stress führen und damit eine Erholung des Körpers und Geistes unterbinden [6]. Ein Teufelskreis, den es zu unterbrechen gilt.

 

Was kann man nun gegen Burnout tun?

Die Forschung listet sogenannte direkte und indirekte Maßnahmen auf. Direkt meint dabei, aktiv in Bezug auf die Arbeit und das Arbeitsumfeld zu agieren, d.h. beispielsweise Konflikte zu bewältigen, Abwechslung in die Arbeit zu bringen, Ziele zu überprüfen und neu zu definieren oder schlichtweg Erfolgserlebnisse zu schaffen, die einem das Gefühl geben, etwas Gutes und Sinnvolles geleistet zu haben. Die indirekten Maßnahmen zielen dagegen eher darauf ab, einen Ausgleich zu schaffen, aktiv nach Entspannung zu suchen und sich z.B. auch soziale Unterstützung von FreundInnen oder KollegInnen zu holen [7]. Die Praktizierung von Achtsamkeit zählt zu diesen indirekten Maßnahmen, ihre Wirkung auf das Burnout-Syndrom ist dabei durch verschiedenartige Studien belegt.

Studie 1: Effect of traditional yoga, mindfulness-based cognitive therapy, and cognitive behavioral therapy, on health related quality of life: a randomized controlled trial on patients on sick leave because of burnout (Grensman et al., 2018)

In Stockholm (Schweden) wurde in den Jahren 2007 bis 2009 eine Studie an 94 ProbandInnen (Alter: 18-65) durchgeführt, die untersuchte, inwiefern traditionelles Yoga (TY), MBCT (=mindfulness based cognitive therapy) und CBT (=cognitive behavioral therapy), einen Effekt auf die HRQoL (=health related quality of life) haben. Dazu wurden die Teilnehmenden jeweils einer der drei Gruppen (TY, MBCT, CBT) zugeordnet. Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie war ein krankheitsbedingter Arbeitsausfall (50, 75 oder 100%), dem ein Burnout zugrunde lag. 

Die Gruppenbehandlung dauerte 20 Wochen an (je drei Stunden pro Woche, sowie vier Stunden eigene Übungen zu Hause). Dabei ging es neben den angeleiteten Übungen in den TY, MBCT und CBT-Kursen in den Aufgaben für Zuhause unter anderem darum, selbst einen Tagesablauf zu planen und zu erstellen, der auch Freiraum für sogenannte micro-pauses (Minuten, in denen bewusst der eigene Körper und die Gefühle wahrgenommen werden) lassen sollte. Wichtig dabei war auch eine tägliche abendliche Bewertung des Tages und der Aufgaben, die geleistet wurden.

Die SWED-QUAL (=swedish health-related quality of life survery), welche u. a. aus mehreren Fragen zu physischem und emotionalem Wohlbefinden, kognitiven Funktionen, Schlafqualität und allgemeiner Gesundheit besteht, wurde dazu verwendet, um die momentane Verfassung der ProbandInnen zu beurteilen. Nach der Auswertung der Daten zeigte sich dabei in allen drei Gruppen ein positiver Effekt auf den HRQoL. Eine große Wirkung hatte die Behandlung vor allem auf die Bereiche emotionales Wohlbefinden, kognitive Funktionen und Schlafqualität.

Daher wurde durch die Studie schließlich der Entschluss gefasst, dass alle drei Behandlungsformen (TY, MBCT, CBT) dazu genutzt werden können, den HRQoL bei Burnout-PatientInnen zu verbessern und weiterhin auch das Risiko zu senken (Prävention), in Zukunft krankheitsbedingt wegen eines Burnouts auf der Arbeit auszufallen [8].

Studie 2: Yoga complemented cognitive behavioral therapy on job burnout among teachers of children with autism spectrum disorders (Dike et al., 2021)

In einer weiteren Studie wurde untersucht, welchen Effekt eine Y-CBT (=yoga complemented cognitive behavioral therapy) auf das Burnout-Syndrom unter Lehrenden von Kindern mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASD) hat. Die Untersuchung wurde in Nigeria (Westafrika) an 58 Lehrenden, die entweder an öffentlichen oder privaten Schulen Kinder mit Autismus unterrichteten, durchgeführt. Dazu trafen sich die Teilnehmenden im Zeitraum von 12 Wochen jeweils für zwei Stunden die Woche und nahmen an dem Y-CBT Programm teil. Die Daten wurden mittels SISQ (=single item stress questionnaire) und MBI-ES (=Maslach Burnout Inventory-Educators‘ Survery) gesammelt und ausgewertet, wobei auch demographische Variablen wie z. B. Geschlecht oder Alter berücksichtigt wurden. 

Die Analyse der Daten nach Abschluss des 12-wöchigen Kurses zeigten dabei eine signifikante Reduzierung der Burnout-Symptome. Somit kam die Studie zu dem Schluss, dass Y-CBT helfen kann, Burnout-Symptome unter Lehrenden von Kindern mit ASD zu lindern [9].

 

Achtsamkeit als ein Werkzeug gegen Burnout

Die Studien haben gezeigt, dass durch mit Achtsamkeit verknüpfte Übungen wie z. B. Yoga, MBCT oder Y-CBT die Symptome von Burnout gelindert werden können und in Hinblick auf die Prävention auch dazu dienen, das Risiko überhaupt an Burnout zu erkranken zu senken.

Achtsamkeit sollte dabei jedoch nicht als alleiniges Heilungsmittel betrachtet werden. So wie mehrere Faktoren die Entwicklung eines Burnouts bedingen, so gilt es auch im Umkehrschluss an unterschiedlichen Stellen anzusetzen, um eine Entlastung des Körpers und des Geistes zu erreichen. Achtsamkeit ist dabei ein Instrument, um sich selbst besser wahrnehmen zu können und zur Ruhe zu kommen, damit sich der Körper regenerieren und der Geist zurück ins Gleichgewicht finden kann.

 

Geschrieben von Carina

 

Quellen:

[1] Arbeitsunfähigkeitsfälle aufgrund von Burn-out-Erkrankungen in Deutschland bis 2019. Verfügbar unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/239872/umfrage/arbeitsunfaehigkeitsfaelle-aufgrund-von-burn-out-erkrankungen/ [Abruf: 24.11.2021].

[2] König, Roland (2020). Schnelle Hilfe bei Burnout. Leicht anwendbare Methoden für Psychotherapeuten, Coaches und Betroffene. Wiesbaden: Springer Fachmedien. S.1.

[3] König, Roland (2020). Schnelle Hilfe bei Burnout. Leicht anwendbare Methoden für Psychotherapeuten, Coaches und Betroffene. Wiesbaden: Springer Fachmedien. S.2.

[4] Keel, Peter (2015). Müdigkeit, Erschöpfung und Schmerzen ohne ersichtlichen Grund. Ganzheitliches Behandlungskonzept für somatoforme Störungen. Berlin/ Heidelberg: Springer-Verlag. S. 21-22.

[5] Keel, Peter (2015). Müdigkeit, Erschöpfung und Schmerzen ohne ersichtlichen Grund. Ganzheitliches Behandlungskonzept für somatoforme Störungen. Berlin/ Heidelberg: Springer-Verlag. S. 23-25.

[6] Gabriel, Theresia (2012). Burnout: Leitfaden zur Betrieblichen Gesundheitsförderung. Für Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeiter/innen. (2., überarbeitete Auflage). Wien: Fonds Gesundes Österreich. S. 8.

[7] Keel, Peter (2015). Müdigkeit, Erschöpfung und Schmerzen ohne ersichtlichen Grund. Ganzheitliches Behandlungskonzept für somatoforme Störungen. Berlin/ Heidelberg: Springer-Verlag. S. 29.

[8] Grensman, Astrid/ Acharya, Bikash Dev/ Wändell, Per/ Nilsson, Gunnar H./ Falkenberg, Torkel/ Sudin, Örjan/ Werner, Sigbritt (2018). Effect of traditional yoga, mindfulness– based cognitive therapy, and cognitive behavioral therapy, on health related quality of life: a randomized controlled trial on patients on sick leave because of burnout. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29510704/ [Abruf: 24.11.2021].

[9] Dike, Ibiwari C./ Onyishi, Charity N./ Adimora, Dorothy E./ Ugodulunwa, Christiana A./ Adama, Grace N./ Ugwu, Gloria C./ Eze, Uchenna N./ Eze, Angela/ Ogba, Francisca N./ Obiwluozo, Patience E./ Onu, JaneFrances C./ Onu, Augustine O./ Omenma, Zipporah O./ Nwaeze, Vivian C./ Ani, Casimir/ Ngwu, Christopher N./ Uzodinma, Uchenna E./ Iremeka, Felicia U. (2021). Yoga complemented cognitive behavioral therapy on job burnout among teachers of children with autism spectrum disorders. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34087823/ [Abruf: 24.11.2021].

 

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